2 Akademiker, 2 Kinder - eine Grenzerfahrung

Verfasst von
Anonym

Es ist wunderbar, dass es hier dieses Forum gibt. Ich danke für die Möglichkeit, die Dinge, die tagtäglich zu belastend sind, bei anderen zu lesen oder gar selber formulieren zu können. Ich habe - wie immer - keine Zeit und kann keinen systematischen Beitrag liefern. Für heute nur so viel:

Unser Leben als zwei Akademiker mit einem Kind hat geklappt, seit wir das zweite Kind haben, sind wir eigentlich dauerhaft überbelastet und überfordert. Wir finden keine "role models" in der Wissenschaft, im Gegenteil. Gibt es denn wirklich so wenig (psychisch und physisch gesunde) Akademiker, die beide auf einer unbefristeten Stelle arbeiten und die Kinder haben?

Eines der größten Probleme ist das Wissenschaftszeitgesetz und der Druck, der dadurch aufgebaut wird, und damit zusammenhängend die Tatsache, dass es so gut wie keine unbefristeten Stellen unterhalb der Professorenebene gibt. Ein anderes zentrales Problem ist die Mobilität, die von uns Nachwuchswissenschaftlern abverlangt wird, die aber mit Kindern so nicht zu leisten ist. 

Im tagtäglichen akademischen Leben (mit Kindern) gibt es vieles, was ich erzählen könnte, was ich mich jedoch selbst als anonyme Schreiberin im Moment nicht traue. Wir sind abhängig von der Gunst höher Gestellter, die in ihrem Leben noch keinen Peer-Review-Artikel geschrieben haben (und was wird von uns in dieser Hinsicht abverlangt...), die einen schlechten Führungsstil haben, inhaltlich nicht auf der Höhe oder sogar desinteressiert sind, und die im Grunde nur Zuarbeiter wollen, um die eigene Position zu stärken.

Würden wir beide unseren akademischen Beruf nicht so sehr, so leidenschaftlich lieben und würden wir nicht so leidenschaftlich hinter einer gleichberechtigten Partnerschaft stehen - wir wären unter einer rationalen Kosten-Nutzen-Analyse mit Sicherheit längst woanders.

Dass Burnout, Angsterkrankungen, Depressionen etc. unter Akademikern zunehmen, kann ich gut verstehen. Ich wünsche mir manchmal nichts mehr, als nicht innerhalb der nächsten 10 Jahre durch Stress und Erschöpfung ernsthaft zu erkranken.

Kommentare (0)

Keine Kommentare gefunden!

Kommentar verfassen

Mit einem Kommentar können Sie sich an der Diskussion darüber, wie familiengerecht Deutschlands Wissenschaftssystem ist, auf dieser Dialogplattform beteiligen. Alle Kommentare werden von der Online-Redaktion im Vorfeld gegengelesen und anschließend freigeschaltet. Bitte beachten Sie auch die Regeln dieser Dialogplattform.

Persönliche Informationen