2 Kinder und Forscher mit Leidenschaft

Verfasst von
Anonym

Wir sind ein Akademikerpaar mit zwei Kindern, das konstant einen Balanceakt ausführt, dies jedoch, abgesehen von den wohl allgemein üblichen Nachtschichten, recht gut meistert. Unsere Uni (Konstanz) leistet alles erdenkliche, um die Kinder-Betreuung so flexibel wie möglich zu gestalten, und wir fühlen uns diesbezüglich zumindest super unterstützt.

Es gibt jedoch ein schwerwiegendes Problem:
Obwohl einer von uns eine feste Position an der Uni hat, bedeutet dies doch auch für den anderen, dass er nicht "weit weg kann" (außer man nimmt es eben in Kauf, seine Kinder nur alle zwei Wochen am Wochenende zu sehen). Dadurch wird allerdings die Möglichkeit, eine passende Stelle zu finden, stark reduziert!

Am eigenen Fachbereich hingegen gäbe es die Möglichkeit, in der Lehre tätig zu sein und nebenher Forschung zu betreiben. Nur leider (aus Geldmangel) nicht unbefristet. Dies akzeptieren wir, denn wir lieben unseren Beruf und sind mit Leidenschaft in Lehre und Forschung tätig.

Und wie wird man in dieser Lage von der Politik unterstützt? Sie VERBIETET uns die Möglichkeit unsere Forschung mit Hilfe befristeter Verträge zu verfolgen! Liebe Politiker, glauben Sie WIRKLICH, dass man sich 25 Jahre mit Hilfe von Drittmittelprojekten durchschlagen kann, weil man aufgrund der familiären Situation nicht flexibel genug ist, sich eine der seltenen festen Stellen zu ergattern? Vor allem dann, wenn man nach den (internen) Regeln der Drittmittelgeber (z.B. der Deutschen Forschungsgemeinschaft) als "nicht mehr berufbar aufgrund des Alters" gilt? Da fällt eine ganze Generation von unter Umständen herausragenden Wissenschaftlern und erfahrenen Lehrkräften durch das Netz aufgrund des Berufsverbots durch das wissenschaftliche Zeitvertragsgesetz!

Diese wiederum werden dann ersetzt durch "frische" Doktoranden, die den Studenten, was das Fachgebiet angeht, vielleicht zwei Jahre voraus sind, und die weder den Überblick über die Forschung noch über die aktuellen Debatten innerhalb der Forschungslandschaft haben.

Es wird von uns erwartet, dass wir "flexibel" sind. Wir würden uns freuen, wenn uns die Politik die Möglichkeit, notfalls bis zur Rente auf befristeten Stellen mit Hingabe in der Forschung tätig zu sein,  auch gesetzlich ermöglichen würde und dieses als "flexibel, mit festem Familienstandort" verstehen würde. Momentan allerdings sieht es eher so aus, als ob das wissenschaftliche Zeitvertragsgesetz unseren familiären Balanceakt irgendwann aus dem Gleichgewicht werfen wird und zumindest einer von uns nicht mehr in der akademischen Welt tätig sein kann.

Es kann doch aber nicht im Interesse der Gesellschaft liegen, dass Wissenschaftler aufgrund ihrer familiären Situation (und nicht etwa weil sie nicht gut genug sind) dem Wissenschaftsbetrieb den Rücken kehren (müssen), oder?

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