Alleinerziehend und promovieren

Verfasst von
Anonym

Ich habe zwei Kinder, bin allein erziehend und habe es irgendwie geschafft, meine Dissertation zu schaffen. Es war unglaublich hart. Unterstützung hatte ich weder von meiner Familie, noch von meiner Universität (HU Berlin) und auch nicht durch die örtliche Kommunalgemeinde. Ich lebe in Norddeutschland auf dem Land (in der Nähe des Vaters meiner Kinder, damit der Kontakt leichter ist), aber hier auf dem Land ist es nicht üblich, dass Mütter arbeiten. Also gehen Kinder lediglich Vormittags in Kindergarten und Schule, eine längere Kindergartenbetreuung oder ein Hort gab es lange nicht. Erst als ich mit anderen, ebenfalls berufstätigen Müttern (wenige!) ein längeres Treffen mit der Bürgermeisterin hatte, wurde das eingerichtet. Zum Glück haben mir Freundinnen und der Vater meiner Kinder ausgeholfen bei der Kinderbetreuung, sonst hätte ich das nicht geschafft.

Ein zusätzliches Problem war, dass mein Doktorvater in Großbritannien lehrt, ich aber an einer deutschen Universität immatrikuliert war und dort einen Betreuer hatte. Das wird zwar gerne gesehen, weil man ja auch in Deutschland gerne internationaler werden möchte, aber auch hier habe ich es nicht geschafft, irgendeine Unterstützung zu erhalten; vor allem finanziell wäre das wichtig gewesen. Mit einer solchen Konstruktion fällt man hierzulande durch sämtliche Raster, so dass am Ende niemand zuständig ist oder bei Anliegen weiterhelfen würde. Es heisst immer nur bürokratisch: "Leider ist dafür nichts vorgesehen. Wir wünschen Ihnen aber viel Erfolg bei Ihrer Dissertation." Ich empfand das oft als regelrecht zynisch.

Großartig waren meine Profs in der fachlichen Betreuung und weiteren Unterstützung, darin besonders mein Prof in Berlin. Ihm verdanke ich, dass ich nun ein Stipendium für die Post-doc-Phase erhalten habe. Er hat die Augen offen gehalten und ein Stipendium der Frauenförderung gefunden, das mir die zentrale Frauenbeauftragte und ihre Sekretärin trotz verschiedener Nachfragen nicht genannt haben.

Und hervorragend und sehr unterstützend auch die Beauftragte für den wissenschaftlichen Nachwuchs an unserer Uni. Jederzeit ansprechbar, sehr freundlich, kompetent und bereit, auch einmal über unkonventionelle Modelle und Wege nachzudenken.

Persönlich habe ich vor allem gelernt durchzuhalten und nicht aufzugeben. Die Betreuung durch zwei Profs war manchmal organisatorisch etwas aufwändig, aber meine Arbeit hat davon sehr profitiert. Zumal mein Berliner Prof immer die Entscheidungen meines Doktorvaters respektiert hat. Ein solches Modell geht tatsächlich nur, wenn die Zuständigkeiten klar sind.

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