Beruf und Familie - es ist eine bewältigbare Herausforderung

Verfasst von
Anonym

Ich bin eine berufstätige Mutter von 2 inzwischen erwachsenen Kindern.

Für insgesamt 3,5 Jahre habe ich mich nach den Geburten vorrangig um meine Kinder gekümmert und diesen (am Stück genommenen) Zeitblock sehr genossen. Während dieser Zeit hielt ich stets fachlichen und kollegialen Kontakt. So gelang reibungslos der Wiedereinstieg in die berufliche Tätigkeit.

Leider hatte ich damals (es ist nun ca. 20 Jahre her) keine Option auf eine Teilzeittätigkeit. Zum Glück konnte der Vater der Kinder reduziert arbeiten. Gemeinsam mit Omas und einer Kinderfrau sowie Kindergarten und später betreuter Grundschule und dann weiterführender Schule mit festen Tagesstrukturen gelang uns allen gemeinsam die Alltagsgestaltung zwischen Familie und Beruf.

Mein Mann und ich hatten das Glück durch ein gutes privates Unterstützungsnetz stets die beruflichen Belange bedienen zu können, auch wenn Kinder krank waren, Kongresse oder andere Reisen oder lange Arbeitstage oder Arbeit in Freizeit für Projekte und Wissenschaft oder Lehre notwendig wurden. Denn, mein Fazit ist: Die Arbeit ist ein gefräßiges Monster, das nie satt ist, egal wie viel ich arbeite.

Meine Kinder sind sicher im Rückblick oft zu kurz gekommen. Dank unseres gesamten Netzwerkes darf ich aber - auch mit Bestätigung meiner Kinder - feststellen, dass diese zu selbstbewussten, starken und für sich gut Sorge tragenden Persönlichkeiten gereift sind, die ihren Weg gehen.

Mein beruflicher Weg mit Familie hat sich auch für mich persönlich gelohnt. Denn ich liebe meine Arbeit und arbeite weiterhin sehr gerne. Ich habe promoviert und habilitiert, diverse Forschungsprojekte und Disserationen betreut, spezifische Angebotsstrukturen für definierte Zielgruppen in meinem Berufsfeld innovativ mitgestalten können und verschiedene fachliche Zusatzqualifikationen erworben.

Ich bin sehr froh und dankbar, dass es mir immer möglich war zu arbeiten. Es gehört aber viel Mut dazu und ein gutes Netzwerk! Hier kann die Gesellschaft und die Arbeitsgeberschaft konkret mehr tun. Mehr und flexible Betreuungsangebote (bezahlbar!!) ist das eine - eine offene Haltung gegenüber Menschen, die Familie/Privatleben und Arbeitsleben miteinander verbinden möchten, ist das andere. Mein damalige Auszeit hat mir auf jeden Fall in meiner beruflichen Entwicklung nicht geschadet.

Vielfach höre ich immer noch von (werdenden) Müttern und Vätern, dass der Arbeitgeber davor warnt, zu lange zu hause zu bleiben, der Wiedereinstieg wäre dann schwer bis unmöglich. Eine solche Äußerung finde ich ungeheuerlich. Schließlich liegt es an der Gestaltung der Arbeit selbst, daran, wie ich mich im Betrieb/in der Institution auf meinen befristeten Ausstieg vorbereite, wie ich diese Zeit im Off gestalte und wie ich dann wiederkomme. Und in gleicher Weise ist eine solche Gestaltung von Seiten des Arbeitgebers/Vorgesetzten zu fordern. Dann dreht sich die Erde einfach und stetig weiter - auch wenn Menschen Eltern werden oder aus anderen Gründen eine Arbeitspause einlegen.

Ich wünsche allen Mut und Geduld und den Glauben an sich selbst.

 

greetings with a smile

Kommentare (2)

Kommentar von Anonym
am am 08.08.2015

Vielen Dank für diesen Kommentar, der Mut macht und vor allen Dingen zeigt, dass sich der Weg langfristig für alle Beteiligten (Eltern und Kinder!) lohnt!

Kommentar von Anonym
am am 16.08.2015

Vielen Dank für die ermutigenden Worte und herzlichen Glückwunsch, dass Sie es hinbekommen haben - absolut keine Selbstverständlichkeit. Allerdings habe ich Zweifel, ob sich die Akzeptanz von Familie vor 20 Jahren noch auf die heutige Zeit übertragen lässt. Zumindest in meinem direkten Umfeld stoße ich auf absolutes Unverständnis, wenn ich z.B. im Jahr drei (unbezahlte!) Kinderkrankentage in Anspruch nehme, um 16:45 wegen Kita-Schließzeit aus einer lange überzogenen Besprechung hetzen muss (Mit schnippisch-drohenden Kommentaren vom Gruppenleiter à la "Du musst selbst wissen, ob du dir das jetzt erlauben kannst...") oder den Chef, der um 16:40 ohne Vorwarnung sofort jetzt und heute noch ein paar Sachen besprechen will, um 2 Minuten Aufschub bitte, damit ich meinen Mann anrufen und bitten kann, ob er schnell doch die Kita-Abholung übernehmen kann, obwohl ich eigentlich dran war... Und bei nichts außer befristeten Stellen am Horizont (sowohl bei mir als auch meinem Mann) muss man das "gefräßige Monster Arbeit" eben immer zuerst bedienen, egal wie hungrig es wird, sonst gibt's keine Vertragsverlängerung mehr. Private Unterstützung bei Kinderbetreuung muss man auch spätestens nach dem 5. Umzug innerhalb kurzer Zeit auch irgendwann abschreiben, so schnell kann man sich kein Netzwerk aufbauen, wie man u.U. dann schon wieder weiterziehen muss, bzw. die alten Kontakte irgendwann nicht mehr pflegen, weil es einfach zu viele lose geknüpfte Kurzzeit-Bekanntschaften werden...

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