Die „formativen“ Jahre

Verfasst von
Anonym

Wenn Wissenschaftler/innen-Eltern zusammenkommen, in Konferenzpausen oder beim eiligen Lunch oder Kaffeetrinken, drehen sich die Gespräche sehr, sehr oft um Vereinbarkeitsprobleme.

Einmal sprach ich mit einem Kollegen, dessen zwei Kinder jeweils kurz nach meinen beiden auf die Welt kamen. Wir klagten uns gegenseitig unser Leid: Über Schlafmangel, kranke Kinder, Unverständnis am Arbeitsplatz, unsichere Befristungen im Arbeitsverhältnis, wie hart es sei, bei all dem den hohen Qualitätsanforderungen gerecht zu werden, ohne andererseits die Toleranz des Partners überzustrapazieren, wie sehr die Kinder Zeit und Zuwendung von ihren Eltern verlangten, dass es auf Seiten der Gesellschaft und der Arbeitgeber zu wenig Entgegenkommen mit Betreuungsangeboten gibt - kurz: Wie unmöglich es sei, alles einigermaßen unter einen Hut zu bekommen.

Dann sagte der Kollege: „Und man darf ja nicht vergessen, das sind die formativen Jahre!“  Ich wollte ihm erst zustimmen, weil ich sicher war, dass er mit formativ die prägenden Jahre der Kinder meinte. Aber dann stellte sich zu meiner großen Überraschung heraus: Er meinte uns Erwachsene, unsere Karrieren. Dass man das auch über die Kinder sagen könnte, war ihm gar nicht aufgefallen und hat wiederum ihn überrascht.

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