Ein-Elternteil-Familie und Karriere begrüßen Burn-Out

Verfasst von
Anonym

Eine universitäre Karriere lässt sich aus meiner persönlichen Erfahrung als Ein-Elternteil-Familie (ein schulpflichtiges Kind mit Förderbedarf) kaum verwirklichen. Folgende standardmäßigen Erwartungen können schlicht nicht oder nur unter größtem organisatorischen Aufwand bewältigt werden (unter Berücksichtigung der speziellen individuellen Ausgangslage):

mehrtägige Fortbildungen, Tagungen an anderen Orten (oft zu Fortbildungszwecken oder Präsentationszwecken etc.); internationale Vernetzung; Konferenzen/Sitzungen zu Abendzeiten; Erstellen einer eigenen Promotion neben der Lehre, der Forschung, den Publikationen, Studierendenbetreuung etc. (sozusagen in der Freizeit, die mit Kind schlicht nicht gegeben ist); Kampf um die Finanzierung der eigenen Stelle aus Drittmitteln. 

Dazu jonglierte ich stets mit folgenden Schwierigkeiten, die es nebenbei in dieser meiner individuellen Konstellation zu lösen galt:

Kind wird plötzlich schwer krank; notwendige Schulwechsel; Kinderfrauen, die kündigen; kein kurzfristiger Ersatz; kein soziales Netzwerk (Großfamilie) für Notfälle.

Ein durch die prekäre Situation notwendiger Kuraufenthalt war nicht unbedingt ein Karrierevorteil. Die Befristung der Stelle erleichterte nicht die Situation als Alleinverdiener. Im Vergleich zu kinderlosen Kolleg/innen konnte aus meiner Sicht das Optimum an Leistung (das im akademischen Bereich stets überdurchschnittlich ist) nur zeitweise erreicht werden.

Vorteile der akademischen Stelle waren jedoch das Vorhandensein eines relativ flexiblen Uni-Kindergartens und die Möglichkeit u.a. von zuhause aus arbeiten zu können.

Elternschaft darf kein Nachteil sein. Elternschaft benötigt generell mehr gesellschaftliche Anerkennung (Honorierung), existentielle Sicherheit und selbstverständliche Rücksichtnahme des Unternehmens, in dem gearbeitet wird. Für die Anstellung von Eltern könnte es beispielsweise Boni bzw. finanzielle Anreize für das Unternehmen geben. Besonders Ein-Elternteil-Familien benötigen Unterstützung, um trotzdem einen Karriereweg beschreiten zu können.

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