Ein Pendelleben

Verfasst von
Anonym

Die endgültige Professur erhält man in Deutschland oftmals erst nach Zwischenstationen. Man habilitiert in A, erster Ruf nach B, zweiter nach C, dann bleibt man in D. Partnerschaften enden oftmals bei all der Umzieherei. Plötzlich ist das gebärfähige Alter vorbei.  

Wenn der Partner kein Freiberufler ist oder nicht beliebig wechseln kann, läuft das auf Pendeln zwischen mehr oder weniger entfernten Orten heraus. So ist es bei uns. Ich bin an einer Universität im Südwesten, er kann nur in der Schweiz arbeiten. Also haben wir seit Ewigkeiten 2 Wohnsitze und pendeln beide. Daraus ergeben sich 2 Freundeskreise und auch sonst alle möglichen Doppelungen. Kolleg/innen aus anderen Ländern (Israel, England, Italien...) finden das oft bizarr, weil es anscheinend bei ihnen weniger der Fall ist.    

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Kommentare (1)

Kommentar von Anonym
am am 19.06.2015

Pendeln geht auf die Knochen. Das weiß jeder, der es macht. Und das sind in der Wissenschaft tatsächlich viele.

Andererseits: In welchem anspruchsvollen Job kann man es sich leisten, sechs Monate im Jahr nur an zwei oder drei Tagen im Büro zu sein - und im Übrigen von zu Hause zu arbeiten? In welchem anspruchsvollen Job kann ich mir die Zeit so frei einteilen und bin ich so flexibel? In welchem anspruchsvollen Job habe ich alle vier bis fünf Jahre ein halbes Jahr zur freien Verfügung, in dem ich nicht nur inhaltlich völlig frei bin, sondern auch meinen Tagesablauf gänzlich frei gestalten kann?

Klar, es ist nicht alles toll in der Wissenschaft. Und insbesondere das Pendeln kann belasten. Aber es ist auch nicht alles schlecht. Im Gegenteil: Wenn man genau hinsieht und dabei auch die relevanten Alternativen (z.B. Führungsjobs in der Wirtschaft) berücksichtigt, dann sieht man, dass die Wissenschaft gerade für Menschen mit Kindern nahezu ein Paradies ist.

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