Familie und Studium?! Eine Traumvorstellung...

Verfasst von
Frau Özlem Kartalogullari

Ich habe 2008 mein Studium begonnen und 2010 wurde meine Tochter geboren. Es war nicht geplant schwanger zu werden, aber ich hatte keinerlei Bedenken und war voller Zuversicht, was die Betreuung anbelangt. Auch finanziell wurde ich im Stich gelassen. Erst verlor ich in der Schwangerschaft meinen Teilzeitjob und dann kam noch die Absage für einen Betreuungsplatz von der „flexiblen Kinderbetreuung an der FH". Keiner hat mir gesagt, dass man einer Schwangeren nicht kündigen kann. Niemand hat mir gesagt, dass ich  mit einem Teilzeitstudium ein Recht auf Hartz 4 hätte.

Mein Mann arbeitete damals in 12-Stunden-Schichten. Geld war knapp. Genauso die Betreuungsplätze. Aber selbst dann hätte ich niemals meinen drei Monate alten Säugling in eine Einrichtung abgegeben - weit weg vom Gelände der Fachhochschule Frankfurt. Denn ich wollte es stillen und bei mir haben. Im Endeffekt ist das alles Zukunftsmusik, auch wenn Männer sich mehr beteiligen wollen oder auch Elternzeit machen. Alle Beteiligten sind in so einer Situation gestresst. Studenten werden nicht wertgeschätzt, bekommen nur teure Ferienbetreuung angeboten, wenn sie das nötige Kleingeld haben. Und Studentenwohnungen für Mütter?! Fehlanzeige. Ich stand kurz vor der Trennung von meinem Mann. Und das Studentenwerk besitzt nur zwei Mutter-Kind-Wohnungen??!! Lachhaft. wenn man keinen Mann oder keine Familie hat, die einem den Rücken stärken, kann man vom Studium nur träumen und wählt den Weg der stressfreier für Kind und Mutter ist. Das Allerschlimmste in solchen Situationen ist die Warterei: Warten auf Zusagen für die Finanzierung, Warten auf Zusagen für eine Wohnung, Warten auf einen Betreuungsplatz - warten, warten, warten. Das Studium wartet nicht, der Job auch nicht!

Achja, beim Auslandsstudium war es genau dasselbe. Ich wollte nach Namibia oder eventuell nach Malaysia. Mit Familie kann man sich nicht hinsetzen und mal schauen, ob es klappt und sie sich mit einem vielleicht abgeben.

Es gibt niemanden, der diese Probleme aufnimmt und Fragen beantwortet, die uns weiterbringen würden. Es gibt tausend Adressen und nochmal so viele Ansprechpartner für alles. Bis ich diese alle besucht habe, ist mein Studium zu Ende....

Özlem    

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