Häufiger Tipp: Erst Professorin, dann Kinder!?

Verfasst von
Anonym

Ich bin Anfang 30, Nachwuchsgruppenleiterin und habe keine Kinder. Warum? Eine Familiengründung war bisher kein aktives Thema meines Lebens, nicht, dass ich es mir nicht vorstelle und generell wünsche, aber bedingt durch den unbeständigen Lebenswandel (seit Beginn meines Studiums bin ich nun an der 9ten Forschungseinrichtung (7 Unis, 2 Forschungsinstitute, davon 2mal Ausland) hatte ich lange kein beständiges Privatleben und damit keine Plattform. Ich denke, dass sich, genauso wie mir, vielen Jungakademikern/innen die Familienfrage lange Zeit erst gar nicht aktiv stellt, da der gelebte Alltag vollkommen anders aussieht - und z.B. allein eine stabile langjährige und zukunftsweisende Beziehung aufzubauen oft scheitert.

Persönlich komme ich nun tatsächlich an den Familien-Punkt: Mein Partner und ich denken aktiv darüber nach, aber wir sind nicht am gleichen Ort, beide in der Wissenschaft auf befristeten Stellen und der häufigste Tipp den ich (übrigens seit Jahren) bekomme lautet: Erst Professorin, dann Kinder - dann ist alles flexibler und abgesicherter.

Nun bin ich also tatsächlich auf der letzten Karrierestufe vor der Professur (mit Anfang 30 auch recht jung dafür) und wenn dieser Schritt auch noch gelingt wäre ich vielleicht mit 35-38 Jahren soweit - aber möchte man eigentlich (aus verschiedensten Gründen) erst dann die Familienplanung starten? Die Alternative klingt nach den typischen Erfahrungswerten anderer auch nicht verlockend und man kann prima alle vorherigen Beiträge dazu als Referenz lesen - komme ich mit Kindern überhaupt noch zur Professur?

Der obige Tipp ist sehr pragmatisch und sicherlich funktioniert er karrieretechnisch recht prima - meines Erachtens ist er allerdings sehr bedenkenswert und eine mahnende Charakterisierung der aktuellen (gefühlten) akademischen Lebenswelt.

Kommentare (1)

Kommentar von Anonym
am am 04.11.2015

Vielen Dank für diesen Einblick. Sie sind wirklich noch vergleichsweise jung; aber Berufungsverfahren dauern ja auch eine ganze Weile. Und wahrscheinlich haben Sie Ihre Karriere bisher in einem relativ gut einschätzbaren disziplinären Rahmen absolviert. Interdisziplinäre oder ungewöhnliche Fächer setzen oft mehrere Karrierestationen in verschiedenen Feldern und einige Richtungswechsel voraus - das alles läßt sich kaum bis in die Mittdreißiger hinbekommen. Ich kenne Frauen, die zu lange gewartet haben und dann, als Anfang Mitte 40 endlich die unbefristete Professur da war, hat es mit dem Kinderkriegen nicht mehr geklappt.

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