Ich hatte eine auf 5 Jahre befristete Stelle als Nachwuchsgruppenleiterin...

Verfasst von
Anonym

Ich hatte eine auf 5 Jahre befristete Stelle als Nachwuchsgruppenleiterin an einer außeruniversitären Forschungseinrichtung inne, die viel Wert auf internationale Exzellenz legt. Als ich die Stelle antrat, hatte ich ein eineinhalbjähriges Kind. Am ersten Tag begrüßte mich ein älterer Kollege in führender Position so: „Wir freuen uns so, dass Du kommst: Was für ein tolles Signal für die Familienfreundlichkeit. Wir haben damals ja auf Kinder verzichtet - sonst könnten wir auch gar nicht die anstehende Arbeit hier an dieser Institution leisten."

Nach eineinhalb Jahren erwartete ich mein zweites Kind. Der Forschungskoordinator sagte mir unter vier Augen: „Unsere Dachorganisation hat diese Stellen nicht dafür vorgesehen, dass man darauf schwanger wird. Da soll man sein Ding durchziehen."

Und: „Wir finden es ja ziemlich mutig, dass Du so lange Elternzeit nehmen willst, bei so viel Verantwortung." (...ich hatte sechs Monate geplant.)

Nach der Geburt des zweiten Kindes hat man mir an verschiedenen Stellen deutlich signalisiert, dass man mich hinsichtlich der Kinderbetreuung nicht unterstützen würde. Auch bereits etablierte Maßnahmen (z.B. Unterstützung für Babysitting während Konferenzen oder Colloquien) hat man zurückgenommen. Ein Anruf bei der

Gleichstellungsbeauftragten der Dachorganisation machte mich sicher: Ich hätte die Familien-Maßnahmen in Anspruch nehmen dürfen; die Maßnahmen waren sogar für genau solche Fälle wie mich gedacht, und man war sehr gerne bereit, mich zu unterstützen. Dieser Anruf auf der „höheren Ebene" hat mich aber an meiner Institution vollends zur Unperson gemacht. Das wurde mir auf so unangenehme Weise klargemacht, dass ich diesen Schritt (mich bei der Dachorganisation, also eine Ebene höher, über Unterstützungsmöglichkeiten zu informieren) nie wieder gewagt habe, auch nicht in anderen Angelegenheiten.

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