Immer größerer Druck und befristete Verträge führen zu weniger Kindern

Verfasst von
Anonym

Ich bin seit 7 Jahren im Wissenschaftsbereich tätig und mir sind in der Zeit unzählige Frauen, aber auch Männer begegnet, die bei der Frage nach einer Familie antworten, dass sie sich das nicht leisten können. Die befristeten Verträge, zum Teil von wenigen Monaten, bieten kein Gefühl der Sicherheit, Kinder zu zeugen.

Darüber hinaus kommt der, wie mir aus den Gesprächen mit älteren Kolleg/innen scheint, immer größer werdende Druck, so und so viele Publikationen, Herausgeberschaften, Tagungsteilnahmen und Organisationen von eigenen Veranstaltungen im Lebenslauf versammelt zu haben, dass an ein Leben neben der Wissenschaft nicht zu denken ist.

Am erschreckensten war das Gespräch mit einer ehemaligen Kollegin - befristete Professur, zwei Kinder -, die erzählte, dass sie nachts mit Angst und Herzrasen aufwacht und Weinattacken hat, weil sie nicht wusste, wie sie den vielen Ansprüchen, die nur allein die Uni an sie stellt, gerecht werden soll. Von Kindern und Partnerschaft war da noch nicht einmal die Rede ...

Kommentare (1)

Kommentar von Anonym
am am 09.12.2015

Ich bin auf der Suche nach einer Initiative, einem Verein o.ä., um irgendeine Form des Engagements einbringen zu können. Ein Anfang ist wohl ein Beitrag hier.
Ich sehe es wie die Verfasserin/der Verfasser. Ich bin 30 und an Familie ist nicht einmal im Ansatz zu denken. Ich frage mich, wie das gehen soll. Bachelor hier, Master dort, Promotion wieder woanders. Es scheitert ja schon daran, sich überhaupt zu binden, wenn es nicht gerade eine Fernbeziehung werden soll. Immer wieder ist man an einem neuen Ort und fängt von vorn an. Mit befristeten Verträgen (sicher die Mehrheit der Beschäftigungsverhältnisse) ändert sich dieser Zustand im Berufsleben nicht.
Aus dem Studium geht man, wenn man auf Bafög und co. angewiesen war, mit einem dicken Schuldenberg. Umzug, Neuanschaffungen, Kaution - das führt zu neuen Krediten. Man startet mit einem Berg Schulden in das auf zwölf oder 24 Monate befristet Arbeitsverhältnis und weiß nicht, was danach ist. Während der Zeit im neuen Job, gelingt es dann vielleicht, die Schulden zu tilgen - aber eben nur vielleicht.
Unter den Umständen, die sicher kein übertriebener Einzelfall sind, kann ich mir nicht vorstellen, überhaupt nur an Kinder zu denken. Man kommt ja nie auf einen grünen Zweig. Dafür sind die Gehälter zu niedrig.
Danke!

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