"Kinder? Das ist ihr privates Problem"

Verfasst von
Anonym

Selbst in einer als familienfreundlich zertifizierten Universität habe ich als promovierte Mutter (Dr.-Ing.) von 3 Kindern das Zitat nicht nur einmal gehört: „Kinder? Das ist ihr privates Problem."

Nicht nur, dass es extrem schwierig ist eine wissenschaftliche Karriere zu planen (planen kann man dazu weniger sagen), sondern dass sich manche Unis erstmal mit einem tollen Zertifikat schmücken und dann nicht ausführen, macht mich wütend. In der Wirtschaft drängt man einen eher in Richtung öffentlichen Dienst (Zitat: da ist man ja flexibler) und dann bekommt man dort Sprüche zu hören, die man eher in einer Vorstandssitzung eines großen Konzerns erwartet.

Ich habe das Problem erstmal umgangen, indem ich die Uni gewechselt habe und nun eine Nachwuchsgruppe leite und daher auf die nächsten 5 Jahre mein eigener Chef bin. Dazu habe ich einen Mann, der bei allen drei Kindern die VOLLE Elternzeit genommen hat und nicht die obligatorischen 2 Monate. Leider muss ich auch dazu sagen, dass die Karriere meines Mannes sehr darunter gelitten hat. Ein Mann, der 3 Jahre Kinder betreut, hat leider in unserer Gesellschaft keinen hohen Stellenwert. Wie man das ändern kann, weiß ich leider nicht.

Alles können die Männer nun mal nicht abnehmen und Kinder bekommt man nun nicht mal nur am Feierabend oder am Wochenende. Da ich 5 Jahre lang entweder schwanger war oder gestillt habe, hat sich dies auch auf meine Forschungs- und Publikationstätigkeit ausgewirkt und da ist es dann etwas dünner geworden. Es gibt zwar genügend Förderprogramme, die das berücksichtigen, aber auch alle unterschiedlich. Die DFG (Deutsche Forschungsgemeinschaft) akzeptiert zum Beispiel bei einer Bewerbung auf das Emmy-Noether-Programm NUR die Kinder, die innerhalb der 4 Jahre NACH der Promotion (Antragsberechtigungsphase) geboren sind. Wenn danach noch ein drittes oder viertes Kind kommt, ist das auch ein persönliches Problem. So muss man versuchen zwischen Windelwechseln und Schwangerschaftsübelkeit auch noch einen exzellenten Forschungsantrag herauszuhauen. 

Ich muss aber auch gestehen, dass ich Frauen kennengelernt habe, bei denen das geklappt hat. Allerdings waren diese Frauen alle in einem guten (sicheren) Netzwerk integriert. Demnach unterstütze und empfehle ich nun allen nach mir kommenden Generationen: Bau dir dein Netzwerk. Ohne einen guten Mentor wird es verdammt schwer.

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