Mehr Dauerstellen = weniger Risiko = Familienfreundlichkeit

Verfasst von
Anonym

In Deutschland gibt es eine riesige Diskrepanz zwischen der Studierendenzahl und der Zahl der Dauerstellen an Universitäten. Gleichzeitig haben wir immer mehr Qualifizierungsprogramme für den wissenschaftlichen Nachwuchs, welche sicherlich auch Wirkung haben und viele tolle Wissenschaftler hervorbringen. Wenn aber nicht dauerhafte  - und damit „familienfreundliche“ – Positionen an den Hochschulen geschaffen werden, dann ist die Entscheidung für die Wissenschaft oft mit der Entscheidung gegen die Familie verbunden. Der Wettbewerb zwischen den Nachwuchswissenschaftlern ist heute in vielen Fächern extrem, so dass man für Familie einfach keine Zeit hat. Höchstens zu einem späteren Karrierezeitpunkt, was dann gerade für Frauen ein Problem ist.

 

Meines Erachtens sollte die Politik wieder mehr Vertrauen in die Hochschulen setzen. Ich beobachte in meinem Alltag einen Regulierungswahn. Für jeden kleinen Aspekt werden  Zielvereinbarungen zwischen Ministerien und Universitäten, Hochschulleitungen und Fakultäten und Fakultäten und Professoren abgeschlossen. Das ist in meinen Augen eine sehr eigenartige Misstrauensatmospähre. Als ob die Uni-Mitarbeiter alle auf der faulen Haut liegen würden und ständig die Peitsche brauchten. Besser wäre es, den Unis eine solide Finanzierung zu geben, die nicht nach den Konjunkturzyklen wechselhafter politischer Entscheidungsträger schwanken. Dann können auch solide, d.h. dauerhafte Stellen geschaffen werden, welche die Vereinbarkeit von Familie und Wissenschaft gewährleisten. Und ob die Unis das dann durch mehr Professuren machen, oder ob es darunter angesiedelte Dauerstellen gibt, kann man diesen durchaus selbst überlassen. Der Wettbewerb um die schlauesten Köpfe und die besten Studenten wird dann schon für gute Lösungen sorgen - auch ohne die Einmischung der Politik.

Kommentare (1)

Kommentar von Anonym
am am 04.11.2015

Diese Mißtrauenskultur habe auch ich immer wieder beobachtet.
Die Unis befinden sich in einem Dilemma: Einerseits möchten die meisten Uni-Leitungen nachhaltige Strukturen schaffen. Andererseits meinen sie, mit den unbefristeten Akademischen Ratsstellen schlechte Erfahrungen gemacht zu haben: Kaum hat man jemanden entfristet, strengt er/sie sich kaum noch an! Oder wird von der ewigen Lehrmühle gelangweilt und läßt im Engagement nach. Schlimmer noch: Da nach Meinung vieler Unileitungen ja nur gescheiterte Wunschprofessoren auf solchen Stellen landen, sind sie vermeitnlich dauergefrustet. Oder das schlimmste Szenario: Man hat aus Versehen jemanden Ungeeignetes gewählt. Es gibt aus Sicht der Uni-Leitungen kein positives Szenario, keinen, der freiwillig und mit Freude eine solche Stelle annähme.
Der Gefahr, schlechte Qualität der Arbeit auf unkündbaren Stellen zu bekommen, könnte man durch gute Personalpolitik wirksam entgegentreten, aber eine solche Personalpolitik ist in Deutschland im öffentlichen Dienst nicht üblich.

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