Selbstmitleidgefahr: Kinder + Karriere ist anspruchsvoll, das hat nie jemand bezweifelt...

Verfasst von
Anonym

... aber ist das wirklich besonders herausstechend für Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler?

Ich wünsche mir hier mal ein paar Einträge von unsere lieben gleichaltrigen Kolleginnen und Kollegen aus der sogenannten "freien Wirtschaft". Vielleicht würde das den einen oder anderen Beitrag etwas relativieren.

Ein paar Kommentare zu den anderen Blogbeiträgen aus meiner Perspektive (W2 seit kurzem, vorher zwei Jahre W1; zwei Kinder, 2 und 4 Jahre; MINT-Bereich; Forschungsinstitut; Mann Postdoc-Wissenschaftler, Vollzeit):

Die Promotionsphase ist eine Qualifikationsphase: Deswegen leitet sich aus dem zugehörigen Arbeits- oder Stipendienverhältnis nicht ab - wie bei vielen Doktorierenden derzeit zu beobachten - dass man ein Recht darauf hat, in 3 Jahren mit exakt eingehaltener vertraglich geregelter Arbeitszeit und auch noch gleichzeitiger Familiengründung es gemütlich zu haben und am Wochenende nicht "über die Diss" nachdenken zu müssen.

Familie ist angewiesen auf Subsidiarität: Was ist denn schlimm daran, wenn man zeitweise "auf Kosten des anderen" lebt? Es sollte natürlich nicht immer so sein (dann wäre es auch keine Subsidiarität mehr).

Das direkte wissenschaftliche Umfeld taugt nicht als Coach: Nicht die Professorinnen und Professoren nebenan, nicht die direkten "Vorgesetzten", und vor allem schon gar nicht die "grauen Eminenzen", die es an jeder Uni gibt. Warum? Weil deren eigenen Lebensentwürfe und Lebensleistungen ja düpiert werden könnten. Bevor man also dem im direkten Umfeld kommunizierten Ansprüchen hinterher (irr-)lichtert lohnt sich ein externer Coach. Was brauche ich in meinem Portfolio? Wie kann ich zu Gunsten der Familie Dinge priorisieren (oder einfach sein lassen, s.u.)?

Kinder-Enrichment: Es blieb bisher in diesem Blog etwas verborgen, aber kommt bei näherer Betrachtung der Stress nicht (auch) von den Ansprüchen, die von anderer Seite gestellt werden. Was, keine Musikgruppe? Was, kein Schwimmkurs? Was, noch kein Frühenglisch? Was, kein Leistungssport? Alleine auf Zeltlager mit den sozial-auffälligen Großfamilienkindern, die das vom Staat gezahlt kriegen? Auch hier kann weniger mehr sein.

Eltern-Enrichment: Was mich am meisten verrückt macht, sind die Wissenschaftler-Eltern, die dann noch auf "ihre Zeit" bestehen und zeitintensive Hobbies pflegen oder regelmäßig nach der Kita den Babysitter engagieren um "mal" gepflegt essen zu gehen (Statussymbol?) obwohl sonst Zeit und Geld knapp sind. Ehrlich: Dann bitte nicht jammern!

Kommentare (2)

Kommentar von Katharina Klaas
am am 07.09.2015

Stimme vollkommen zu: In der Wirtschaft ist es viel schlimmer. Von den Menschen zwischen 20 und 50 versucht man so viel wie möglich rauszuquetschen. Wenn sie dann mit Burnout, Herzproblemen oder nach Schlaganfall nicht mehr so belastbar sind, ekelt man sie raus. Nicht selbst erlebt aber im Bekanntenkreis grad akut. In der Wissenschaft hat man viel mehr Freiräume.

Kommentar von Anonym
am am 04.11.2015

Das ist mir zu pauschal! Genauso wenig wie es "in der Wissenschaft" viel freier zugeht ist, ist es "in der Wirtschaft" viel schlimmer. Es gibt in beiden Feldern ausbeutende Strukturen, die in bestimmten Bereichen beider Felder stärker, in anderen schwächer ausgeprägt sind.

Kommentar verfassen

Mit einem Kommentar können Sie sich an der Diskussion darüber, wie familiengerecht Deutschlands Wissenschaftssystem ist, auf dieser Dialogplattform beteiligen. Alle Kommentare werden von der Online-Redaktion im Vorfeld gegengelesen und anschließend freigeschaltet. Bitte beachten Sie auch die Regeln dieser Dialogplattform.

Persönliche Informationen