Studieren mit Kindern

Verfasst von
Mandy Zaleska

Ich bin jetzt 35 und habe, zugegebenermaßen, erst sehr spät angefangen zu
studieren (Biologie). Genau 5 Monate nachdem mein Sohn geboren wurde, fing
ich mit der sogenannten Zweitausbildung an. Da war ich 30. Nun bin ich
soweit, dass ich meine Masterarbeit schreibe. Meine Tochter habe ich
„zwischendurch" bekommen.

Prinzipiell bin ich schon der Meinung, dass zumindest das Studium gut mit
Kindern vereinbar ist. Das bezieht sich allerdings auf die regulären
Vorlesungen und Praktika. Dort hat man als Erziehungsberechtigter die
Möglichkeit, sich für Praktika „vorverteilen“ zu lassen, so dass die Planung,
wer welches Kind wohin bringt, frühzeitig beginnen kann. Das gestaltete sich
bei mir recht einfach, da mein Mann durch seine Außendienstbeschäftigung
etwas flexibler im Arbeitsbeginn oder Arbeitsende ist.

Zusätzlich hatte ich in der Zeit der Vorlesungen und Praktika auch recht viel
Zeit für die Kinder im Vergleich zu berufstätigen Eltern.
Allerdings werden Krankheiten der Kinder zumeist durch mich abgefangen, da
mein Mann derjenige ist, der für das finanzielle Einkommen zuständig ist. In
so einem Fall wird es dagegen schwieriger, bei den Praktika anwesend zu sein.
Da diese aber eine Anwesenheitspflicht beinhalten, kommt man dann schon ein
bisschen ins Rudern und hofft, dass die Kinder nicht länger als die erlaubten
Fehlzeiten (meist 1,5 bis 2 Tage) krank sind.
Ich hatte auch, besonders nach der Geburt meiner Tochter, tatkräftige
Unterstützung meiner Kommilitoninnen, so dass es mir möglich war, ohne
Unterbrechung mein Studium fortzusetzen.
  
Schwieriger wird das Thema Kinder bei den Abschlussarbeiten. Dort wird es
durchaus vorausgesetzt, möglichst viel Zeit in der Institution zu verbringen.
Wenn dann doch etwas mit den Kindern ist (sei es Krankheit oder andauernder
Kitastreik), wird das zwar gebilligt, aber nicht wohlwollend.
  
Ich habe derzeit das Glück, dass ich nicht – wie viele meiner Kommilitoninnen
– in einem Labor beschäftigt bin, bei dem es zwingend notwendig ist,
molekularbiologisch zu arbeiten und somit jeden Tag anwesend zu sein, denn
dann hätte ich wirklich ein großes Problem bekommen. Besonders in der Zeit
des Streiks. Das hätte mich im besten Fall dann nur 4 Wochen in meiner Arbeit
zurück geworfen.
Klar muss man immer mit einer Krankheit rechnen, aber für gewöhnlich handelt
es sich bei Kindern ja um recht kurzweilige Geschichten. Sollten allerdings
längerfristige Krankheiten auftreten, kommt man auch wieder ins Rudern. Die
Zeit, die dann fehlt, muss man dann im Prüfungsbüro beantragen und auf
wohlwollende Antwort hoffen.
  
Prinzipielle ist die Zeit der Abschlussarbeiten eine Spagat zwischen Privatem
und Arbeit. Ich denke, auch wenn es nur eine begrenzte Zeit ist, dass diese
Zeit zu einer Zerreißprobe werden kann. Meine Kinder sehe ich im Moment
eigentlich nur kurz vor dem ins Bettgehen und am Wochenende. Das ist schon
anstrengend. Gerade den Kindern immer wieder sagen zu müssen, dass man
bestimmte Aktivitäten nicht mitmachen kann, weil man noch viel zu tun hat,
ist nicht nur für die Kinder traurig. Sie versuchen es zu verstehen, aber wie
viel sie mit ihren 3 und 5 Jahren tatsächlich begreifen (dass es sich nur um
einen kurzen Zeitraum handelt), dass weiß ich nicht.
  
Zusätzlich kommt nun die Zukunftsangst dazu. Was passiert nach dem Master?
Trotz größter Bemühungen habe ich es nicht geschafft, einen 1er-Schnitt
hinzulegen. Das erschwert die Suche nach einer Promotionsstelle. Dann kommt
hinzu, dass, wenn man nicht promovieren will, die Chancen auf dem Markt auch
eher schlecht sind. Vor allem, wenn man gebunden ist. Hat man hingegen einen
Arbeitsplatz ohne Befristung, dann kann man sich zumindest erst mal sicher
sein, dass man im Anschluss wieder arbeiten gehen kann.
  
Also, als Fazit kann ich sagen, dass Kinder und alles, was dazu gehört,
während des Studiums in der Vorlesungszeit gut zu händeln sind, sofern nichts
„Großes" dazwischen kommt. Für die Zeit der Abschlussarbeiten wird es
problematischer, sofern kein/e Oma/Opa da sind oder ein Babysitter, um
gegebenenfalls kurzfristig einspringen zu können.

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